Ein kleiner Ruck, noch ein kleiner Ruck und langsam nimmt die Bahn Fahrt auf in Richtung Irkutsk. Wir sitzen in unserem kleinen Zuhause für die nächsten drei Tage, schauen auf die langsam vorbei ziehenden Vororte Moskaus und reminiszieren.

Das erste Mal Russland, das erste Mal Moskau. Was ist hängen geblieben? Was hat Eindruck gemacht?

Zweieinhalb Tage in Moskau, das ist kein langer Besuch. In zweieinhalb Tagen kann man sich vielleicht eine kleinere Provinzmetropole anschauen. Im Falle einer Multimillionenstadt kommt man höchstens dazu den Spatel heraus zu holen und ein bisschen im Vorbeigehen die Oberfläche an zu kratzen.

Genau das haben wir getan.

Los ging es - gefühlt - direkt nach unserer Hochzeitsfeier. Den Heimweg zu unseren gepackten Koffern bringe ich im Auto mit einem Eimer auf den Knien zu und überlege ernsthaft ob das Bodenpersonal mich in diesem Zustand überhaupt ins Flugzeug lassen wird. Meine frisch vermählte Frau entzücke ich während der Fahrt mit Geräuschen, wie sie eigentlich erst für die Apokalypse vorgesehen sind, und auch dann wohl eher aus dem Bauch der Erde, nicht dem Bauch eines Erdlings kommen sollten.

In guten wie in schlechten Zeiten!

Ich muss ausgesehen haben wie jemand nach drei Tagen Heroinentzug im Cafe Viereck: Rote Augen, aufgequollen wie ein Naturjoghurt nach drei Tagen in der Sonne. Gerochen habe ich wahrscheinlich änlich.

Während die beste Ehefrau von allen fröhlich vor sich hin plappert, bin ich auf den Weg zum Flughafen kurz davor den Taxifahrer zur Notbremsung auf dem Seitenstreifen aufzufordern. Angekommen und nach gefühlten Jahrzehnten in der Warteschlange vor dem Aeroflot Schalter sind wir endlich eingecheckt.

Eine Pommes und eine Cola später fühle ich mich langsam wieder halbwegs menschlich. Wenn es eine Fluglinie auf der Welt gibt, die jemanden mitnimmt, der aussieht und riecht wie ein Nachttopf aus der Betty Ford Klinik, müsste es eigentlich Aeroflot sein, beruhige ich mich.

Der Flug verläuft ereignislos und Moskau präsentiert sich am späten Abend in Gestalt unseres Taxifahrers Akbar. Der freundliche junge Mann aus Usbekistan hat große Pläne, erzählt er. Taxi fahren ist nur ein Übergangsjob, eigentlich arbeitet er an seiner Karriere als Sänger und Schauspieler und sieht sich auf dem Weg zum Star. Ich frage mich unwillkürlich wie viele andere junge Leute aus den zentralasiatischen Republiken mit ähnlichen Träumen nach Moskau kommen. Das Hollywood des Ostens?

Akbar ist bester Dinge und erklärt uns noch in welchem von unzähligen, praktisch identisch aussehenden Wohnblocks er zu Hause ist, an welchen in Bronze gegossenen Staatsmännern und Dichtern wir vorbei kommen (z.B. Lenin und Pushkin) und wie die Moskauer Sehenswürdigkeiten heißen, die langsam am Autofenster vorbei ziehen und wieder in der Nacht verschwinden.

Im Hostel wundern wir uns noch kurz über die Raumaufteilung, schließlich glänzt das Bad unseres Doppelzimmers nicht nur mit Whirlpoolwanne, sondern ist auch deutlich größer, als das eigentliche Zimmer. Noch ein schnelles Facebookfoto für die daheim gebliebenen, bevor wir in tiefen, traumlosen Schlaf fallen und fast 14 Stunden später wieder einigermaßen erfrischt aufwachen.

Beim ersten Tee des nicht mehr ganz jungen Tages entpuppt sich die Besitzerin des Hostels als Fundgrube von Moskau-Tips.

Auf ihr Anraten hin laben wir uns zunächst bei My-My (russisch, zu deutsch etwa "Muh-Muh"), einer Art Kantine für jedermann. Man läuft mit einem Tablet an allerlei Speisen entlang und gestikuliert so lange mit allen zur Verfügung stehenden Extremitäten, bis man von den Damen hinter dem Tresen allerlei russische Köstlichkeiten aufgetischt bekommt. Das ganze begleiten sie mit etwas einsilbigen, aber nicht unfreundlichen Kommentaren und Hinweisen: "This spinach!", "Chicken, you want?", "No have Borschtsch! Today Gaspadscho!".

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Andi vor unserem Stammlokal (Moskau)

Nachdem ich die letzten - geschätzt - 36 Stunden Essen entweder gar nicht oder fast nur rückwärts genossen habe, schlage ich zu wie ein Scheunendrescher.

Nach dieser Stärkung wandern wir langsam in Richtung Roter Platz während wir das sonnig-warme Moskauer Wetter genießen. Dort stoßen wir auf den Eingang zum Kreml, den wir aber wegen Andrang erstmal vertagen, schauen noch kurz beim Grab des unbekannten Soldaten vorbei und wundern uns über einen Haufen Menschen, die in einer Art Kapelle in der Seitemauer des Kremls anscheinend in jedes Loch des Natursteins Münzen werfen. Nächstes Mal lese ich den Reiseführer doch genauer!

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Anschließend steuern wir die Kapelle des heilien Vasils an. Besagter Mann war eine Art Narr im Auftrag des Herren, der sich unter anderem nicht nur durch wirre aber zutreffende Vorhersagen auszeichnete, sondern auch Sommers wie Winters dem Moskauer Wetter nackt gegenüber trat. Bei Minus 20°C im Winter war daher sofort ersichtlich das so etwas nur mit Hilfe von ganz oben gut gehen konnte. So dachte anscheinend sogar ein gewisser Ivan, den man nicht umsonst "den Schrecklichen" nannte und baute besagte Kapelle.

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Basilisukathedrale, Moskau

Das ganze Gebäude ist zwar nicht sonderlich groß und auch ziemlich überlaufen aber trotzdem sehenswert. Neben der prunkvollen Goldausstattung und den reich verzierten Wänden ist auch Fotografieren erlaubt. Das sollte uns später in keinem anderen Moskauer Gotteshaus mehr begegnen.

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Andi in der Basiliuskathedrale, Moskau

Irgendwann meldet sich das viel zu reichhaltige Essen und verlangt sofortigen Auslass. Ich versuche noch kurz zu diskutieren, bin aber mehr als glücklich irgendwann im Schweinsgalopp ein öffentliches Klo zu erreichen.

Wer nun denkt: "Öffentliche Tolette in Moskau! Oho!", der liegt falsch. Tatsächlich ein angenehmer Ort für eine kurze, besinnliche Pause. Diese wird jedoch etwas ungestüm unterbrochen, als eine ältere Reinigungskraft unter halblauten, russischen Gemurmel an der Tür rüttelt, ich versuche noch kurz auf Englisch zu intervenieren, bevor sie sich auf die Zehenspitzen stellt, über die nicht allzu hohe Tür schaut, mir energisch in die Augen blickt und sich unter weiterem Gemurmelt davon macht.

Was auch immer sie suchte, ich war es offensichtlich nicht.

Zurück draussen habe ich zum ersten Mal die Muße die nähere Umgebung zu inspizieren. Wir sind im GUM gelandet. Einem Kaufhaus um die Ecke vom roten Platz.

Dem Reiseführer zu Folge war es im 19. Jhd. das größte Kaufhaus der Welt und groß ist es auch heute noch allemal. Die Dimensionen werden noch etwas eindrucksvoller, da der ganze Kasten aus drei identisch geschnitten Bereichen besteht und man jedes Mal wieder auf's neue erstaunt ist. Persönlich erinnert mich der Stil sehr an eine bekannte, deutsche Juwelierkette. Irgendwie ist alles Gold.

Wieder draussen wandern wir weiter in Richtung Fluß, schauen noch kurz auf einer Brücke mit Aussicht auf den Kreml vorbei bevor wir an einer Bootsanlegestelle landen. Für einen - im Vergleich zum restlichen Moskau geradezu lächerlichen Preis - sitzen wir wenig später auf dem Oberdeck eines Ausflugdampfers, lassen uns von der Sonne anstrahlen und trinken Bier während Moskau an uns vorüber zieht.

Dabei befinden wir uns in guter Gesellschaft. Anders als zum Beispiel im Rheingau, ist hier ein Ausflugsdampfer keine Vorhölle des Altersheims sondern scheinbar ein durchaus beliebter Ort um im Sonnenschein das eine oder andere Kaltgetränk zu genießen. Die blecherne Untermalung durch russisches Radio steigert die Atmossphäre noch.

Irgendwann kommen wir an einem ziemlich riesengroßen Denkmal vorbei. Das Ding sieht fast unbeschreiblich aus, hat offensichtlich irgendwas mit Seefahrt zu tun und lässt in mir kurz die Frage aufkommen, ob Columbus nicht vielleicht Igor Kolumbovitsch hieß und Russe war.

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WTF?

Etwas später stellt sich heraus, das wir wohl keine Fahrkarte für die Rückfahrt gelöst haben. Das bringt uns ein Mensch in Uniform mit auf die Wange geschminktem Anker anscheinend auf Russisch bei. Vielleicht versucht er uns auch ein Abo einer Seglerzeitung zu verkaufen. Wir sprechen halt auch noch fünf Minuten konstanter russischer Dauerbeschallung immer noch kein Wort dieser wunderschönen Sprache.

"Exit please", verstehen wir dann aber doch und machen uns auf die Suche nach der nächsten Metro. Eine Suche, die nicht ganz ohne emotionale Diskussionen abläuft. Als wir die Metro schließlich finden, sind wir mehr als glücklich wenigstens das kyrillische Alphabet gelernt zu haben. Den ersten in das lateinische Alphabet transkribierten Plan finden wir erst wieder im Zug selbst.

Vorher hat man sich entweder mit dem alten Kyrill angefreundet, jemanden gefunden der fähig und willens ist Englisch oder Deutsch zu sprechen oder ist einfach durch Zufall richtig gefahren.

Für das Abendessen entscheiden wir uns einer weiteren Empfehlung unserer Hosteldame zu folgen und landen bei einem georgischen Restaurant, das wohl einem Dorf dieser Gegend nachempfunden sein soll. Wenn das stimmt gehört zum traditionellen georgischen Gewand offensichtlich ein Kopfschmuck aus Hawaiianisch anmutenden Plastikblumen.

Wie originalgetreu das Essen daher kommt, können wir aufgrund mangelnder Erfahrung zwar nicht beurteilen. Die ordentlichen Portionen und die herzhafte Würze kommen nach einem Tag auf den Beinen aber mal so richtig gut.

Auf dem Heimweg verlaufen wir uns noch mal schön und landen an einer Metrostation, die wir gar nicht erwartet haben. Macht auch nichts. Moskau hat netterweise so viele Metrostationen, das man ungefähr so alle 30 Minuten in jede beliebige Himmelsrichtung laufen kann um auf die nächste zu stoßen.

Es gibt sogar die Legende der geheimen Metrolinie zwischen Flughafen und Kreml, die der Obrigkeit das bequeme Vorankommen an den Massen der Moskauer vorbei ermöglichen sollte. Keine Legende ist die teils opulente Ausstattung der Stationen. Kronleuchter gehören tatsächlich fast immer dazu. Dem Interieur sieht man die Jahre natürlich an, trotzdem stößt man immer wieder auf Marmorsäulen oder Skulpturen und fühlt sich unwillkürlich in ein Museum versetzt.

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Irgendwo in der Metro (Moskau)

Einen Tag später haben wir uns das wirkliche Touristenprogram vorgenommen: Besuch im Kreml. Muss man halt mal gemacht haben. Ordentliches Gedrängel an der Kasse bis wir schließlich für 700 Rubel (ca. 15 Euro) pro Nase das teuerste Ticket erstehen. Naiverweise in der Annahme dafür das All-Inklusive Paket gebucht zu haben.

Eine Annahme, die sich nachher als falsch heraus stellen sollte, als man uns nach der Tour durch die Waffenkammer die weitere Passage in den eigentlichen Kreml verwehren wird.

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Warten vor dem Kreml

Überhaupt: Die Waffenkammer! Anders als der Name vermuten lässt gibt es dort weit mehr als nur Waffen zu sehen. Eigentlich stellen Waffen sogar nur einen kleinen Teil der Exponate dar.

Daneben gibt es noch Fabergé-Eier zu bestaunen, haufenweise unglaublich verschnörkeltes, opulentes Geschirr, Silberarbeiten, Goldschmuck, das was beim Russischen Adel als Alltags und Festkleidung durchgegangen ist und eine ordentliche Anzahl an Kutschen, die aussehen als wären sie wegen ausufernder Opulenz aus einem Disney-Märchen geflogen.

Alles zusammen bekommt man einen kleinen Eindruck davon wie prachtvoll und dekadent das Leben am russischen Hof gewesen sein muss. Ich wundere mich nicht wirklich warum die Kommunisten sich zur starken politischen Kraft aufschwingen konnten. Argumente dafür wurden ihnen wahrscheinlich frei Haus geliefert.

Ein Ticket später stehen wir wieder im Kreml und dürfen uns die freigegeben Teile des Geländes ansehen. Nicht vergessen sollte man, das irgendwo vor Ort auch Vladimir Vladimirowitsch sitzt und die Staatsgeschäfte führt. So befindet man sich durchgängig unter den wachsamen Augen diverser Uniformierter,  während alle paar Minuten zivile, schwarze Autos mit einzelnem Blaulicht auf dem Dach durch die Gegend brausen und den nächsten Schwung Geheimdokumente, irgendwie wichtige Menschen oder sonstwas durch die Gegend kutschieren. Entsprechend eingeschränkt bewegt man sich auch.

Als nächstes besuchen wir die Kremlkirchen. Scheinbar hat so ziemlich jeder Herrscher, der etwas auf sich hält irgendwann mal eine Kirche hierher gepflanzt oder zumindest ausgebaut. Wahrscheinlich auch ein Hinweis auf die enge Verbandelung der russisch-orthodoxen Kirche mit der Politik. Eine Beziehung die nach dem Ende des Kommunismus in Russland scheinbar eine Renaissance erlebt.

Politik hin oder her, interessant sind die Kirchen allemal: Von klein bis groß ist hier alles vertreten, das reich verzierte Innere haben sie aber alle gemein.

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Kirchen, Kathedralen, Basilikas (Kreml, Moskau)

Auf dem Rückblick werfen wir noch einen Blick auf die Zarenglocke. Dem Vernehmen nach die größte Glocke der Welt wurde sie doch nie geläutet, da vorher - während eines Großbrandes - ein Stück raus brach. Früher war sie wohl zu schwer um sie fort zu bewegen, mittlerweile steht sie auf einem Betonsockel und zieht jeden Tag eine sehenswerte Menge an Touristen an. Nach einem Tag in Russland, scheint mir als ließe sich eine gewisse Moral aus der Geschicht' ableiten. Gar nicht so tief verborgen liegt eine Aussage darüber wie sinnig es ist riesige Dinge zu schaffen, die sich noch vor ihrem Einsatz als letztlich unnütz entpuppen.

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Beliebtes Fotomotiv: Zarenglocke

Vielleicht habe ich aber auch einen Hang zur Überinterpretation.

Nach unserem Besuch im Kreml steigen wir wieder in die Metro, stellen fest das uns die Stationsnamen zunehmen spontaner vom Schild in die Synapsen hüpfen und erfreuen uns wieder mal am vielleicht besten U-Bahn System der Welt. Man sieht schon am Bahnsteig alle Stationen und alle Umstiegsmöglichkeiten. Scheinbar wartet man auch nie länger als 60 Sekunden auf die nächste Bahn. So ein kleines Stückchen Moskau würde ich mir auch zu Hause wünschen.

Nächster Halt Gorki-Park und erstaunt stellen wir fest: Wir könnten genau so gut in München, Barcelona, Kopenhagen oder einer beliebigen anderen hippen, gepflegten und modernen europäischen Metropole sein. Vor uns liegen haufenweise schöne, grüne Wiesen, reichhaltig ausgestattet mit den größten Fatboy-Sitzkissen die mir bis dahin untergekommen sind. Um uns herum düsen allerlei russische Hipster auf allerlei Hipster-Gefährten wie Fixies, ganz kurzen oder ganz langen Skateboards. Zwischen drin Familien auf großen Gokarts, Leute zu Fuß oder auf gemieteten, bunten Fahrrädern.

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Hipster on Patrol: Gorki Park, Moskau

Leute tanzen Salsa, Tango, Breakdance, irgendetwas, das aussieht wie Irischer Steptanz, spielen Tischtennis, Schach oder Karten, hängen rum, trinken Kaffee und unterhalten sich. Wir finden einen Teestand, lassen uns die Sonne aufs Gesicht scheinen, den Wind um die Nase wehen und Andi fragt mich ob wir nicht für den nächsten Sommer nach Moskau ziehen könnten, während der obligatorische Samowar neben uns dampft.

Nach einem Mais am Stiel für Andi entschließen wir uns der Menschenmasse anzuschließen und landen schließlich bei einem Schnellchinesen. Auf die Frage ob sie Englisch spricht wendet sich die Verkäuferin direkt ab und erscheint mit einer englischen Version der Karte wieder. An der Essensausgabe wird daraufhin die Nummer unserer Rechnung sogar auf Englisch ausgerufen.

Da ist sie, die russische Hilfsbereitschaft. Egal ob Metrokartenverkäuferin, Kellner, Wachpersonal, Zugbegleiterin, Essensverkäuferin, Kassierer im Supermarkt oder Polizisten: Alle reissen sich förmlich ein Bein aus, da wird in minutenlanger Kleinarbeit gestikularisch die komplette Karte oder das halbe Moskauer Metronetz erklärt, geduldig gewartet bis der Tourist die richtige Betonung des nicht ganz einfachen Wortes "Komsamalskaya" über die Lippen bringt, es werden englische Menüs hervor gezaubert.

Alle diese ganz wunderbaren Sachen geschehen allerdings begleitet von einem Gesichtsausdruck, als würde der betreffenden Person das halbe Gebiss ohne Betäubung gezogen, während eine Horde wilder, russischer Affen die sorgsam gehütete Briefmarkensammlung der Oma zerfleddert und ein Orchester die gesamte russische Musikgeschichte auf verstimten Instrumenten, dirigiert von einem taubstummen, blinden Epileptiker rückwärts spielt.

Kurzum zwischen Handlung in Mimik herrscht eine gewisse Diskrepanz, die wir schließlich als russischen Charme abstempeln. Als Frankfurter sind Mann und Frau in der Richtung natürlich auch vorverwöhnt.

Abends und zurück in der Ulitsa Arbatskaya - Moskaus ältester Fußgängerzone und ganz in der Nähe des Hostels - landen wir in einem ausrangiertem Bus mit musikalischer Untermalung. Anscheinend finden hier diverse Konzerte statt. Heute Abend spielen ältere Damen eine Art russischen Fado. Die Melancholie liegt dick wie Nebelschwaden in der Luft. Das Publikum lässt sich - wenn es nicht gerade mitsingt - Torte und Kaffee schmecken und alle sind gut drauf. Ein Betrunkener will kurzfristig das Programm bestimmen und wird nicht unsanft aber beeindruckend effektiv vor die Tür gesetzt. Wir trinken Bier zum Fado und fallen damit auch nicht unangenehm auf.

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Russischer Fado (Moskau)

Nächster Morgen und wir sind schon etwas aufgeregt: Heute fängt die Reise so wirklich an, wir steigen in die Transsib!

Wir erledigen noch schnell ein paar Last-Minute-Einkäufe, versorgen uns mit Instant-Gerichten und anderem Reiseproviant, genießen noch ein Frühstück bei - dem mittlerweile zum Stammlokal avancierten - My-My und steigen schließlich mit all unserem Gepäck in die Metro.

Als angehende Metroprofis gelingt uns die Navigation zum Yaroslaver Bahnhof ohne nennenswerte Probleme. Wir genießen noch ein inpromptu Klavierkonzert am in der Wartehalle stehenden Flügel bevor wir unseren Bahnsteig und Kilometer Null der Transsib finden.

Verdammt! Es geht los und zwar so richtig! Vor uns liegen drei Tage auf der berühmtesten Bahnstrecke der Welt, bevor wir Irkutsk erreichen.