On the Beach.

Kaum angekommen in Colombo, steigen wir in die Bahn, lassen uns etwa vier Stunden im rustikalen Eisenbahnambiente mit gemächlichen Tempo durch die Lande schaukeln und landen schließlich in Mirissa.

Laut Reiseführer ein kleines Paradies auf Erden. Ganz so weit würde ich vielleicht nicht gehen, es ist aber ohne Zweifel ein richtig schöner Flecken Erde.

Booking.com oder die Buchungsmoral

Als paranoider Deutscher habe ich - im Bewusstsein der nahenden Hochsaison schon mal eine Unterkunft reserviert. Booking.com ist auch hier schon gelandet. Dummerweise entpuppt sich das Zimmer mit Meeresblick als Bunker ohne Fenster im Hinterhaus.

Als Ausgleich ist zumindest eine Baustelle im noch nicht fertig gestellten zweiten Stock vorhanden.

Mirissa Beach

Wir machen Mimimi, der Hotelmensch macht Mähmähmäh, wackelt nachdenklich mit dem Kopf und wir bekommen ein schönes Zimmer mit Meeresblick, allerdings nur für zwei Nächte, nicht wie geplant für vier. Also machen wir uns auf die Socken und suchen die nächste Unterkunft, immerhin wollten wir mal ein paar Tage entspannen. Im Bunker geht das nicht.

Wir finden eine neue Bleibe, reservieren, checken zwei Tage später ein, bezahlen die Rechnung und erfahren dann, das wir später doch wieder ausziehen sollen. Dieses Mal stellen wir uns doof, bleiben einfach sitzen, der Manager unterhält sich mit seinem Kollegen auf Landessprachlich, ich mich mit Andi auf Deutsch, zwischenzeitlich kurzer Austausch von Argumenten. Sie brauchen das Zimmer, wir die Erholung. Irgendwann dürfen wir doch bleiben. Merke: Verhandlungen sind immer auch Frage des Sitzfleisch.

Strandleben

Die meisten Tage suchen wir uns ein laues Plätzchen irgendwo im Schatten und aalen uns am Strand. Persönlich bin ich eigentlich kein richtiger Strandmensch, lese aber gerne. Also nutze ich die Zeit ein Buch nach dem anderen zu Verschlingen. Zwischenzeitlich schauen wir den Surfern zu oder wandern den Strand auf und ab. Dieser ist hier schön breit, feiner Sand. Bei Flut schrumpft er ziemlich zusammen und dann kann es passieren, das man beim Abendbier mit den Füssen im Wasser sitzt.

Surfing Mirissa

Rund um den Strand hat sich die übliche Urlauberinfrastruktur angesiedelt. Einen Haufen Hotels, Guesthouses, Anlagen und Restaurants die den westlichen Geschmack befriedigen. Großes Ding scheint hier Pizza zu sein. Ansonsten gibt es über all die gleichen Sandwiches, Fische oder Salate. Die lokale Küche glänzt dafür durch traurige Abwesenheit oder wird in möglichst Touristentauglicher Variante angeboten, für unseren Geschmack also fast ungewürzt.

Verlässt man allerdings den Strand und steuert das Ortszentrum an, finden sich das eine oder andere Restaurant, in dem die Spezialität nicht Pizza heißt.

Mirissa wird durch eine geschäftige Verbindungsstraße in zwei Teile zerschnitten. Hier drängeln sich Busse, Tuktuks, Mopeds und Fahrräder. Überholmanöver werden durch die Hupe kommuniziert. Entsprechend laut und unübersichtlich geht es zu. Zum ersten Mal seid der Bahnfahrt fühlen wir uns außerhalb von Europa. Überquert man die Strasse und biegt in einen der engen Wege ab, ist man in einer anderen Welt. Ungeteerte Straßen, keine Touristen, verwucherte Grundstücke.

Birth of a Roti

Andi verliebt sich spontan in die Rotis eines namenlosen Ladens, bei dem wir nun fast täglich aufschlagen. Die leckeren Teigtaschen sind mir einer scharfen Gemüsemischung gefüllt und schmecken auch kalt noch richtig gut. Perfektes Strandessen und zudem auch ohne Touristenaufpreis.

Oh legga!

Matara

Wir brauchen etwas Abwechslung vom Strandleben und mieten uns einen Roller um ins nahegelegene Matara zu fahren. Der Reiseführer hat zwar nicht viel Bemerkenswertes über die Stadt zu berichten, wir wollen aber mal einen Abstecher weg vom Strand machen.

Also Roller her und ab dafür. Die Verkehrsregeln kenne ich noch aus Südostasien:

  • Der größere hat Vorfahrt
  • Richtungswechsel, Überholvorgänge, Niesattacken, Wetteränderungen, Magenverstimmungen, plötzliche Geistererscheinungen und allerlei anderes werden durch Hupen angezeigt.
  • Jeder ist selbst dafür zuständig auf die eigene Umgebung zu achten

Gerade die erste Regel führt immer wieder zu interessanten Situationen, was passiert z.B. wenn sich ein Autobus und ein Tanklaster begegnen? Was wenn sich ein Autobus, ein Tanklaster und ein Elefant begegnen? Da ist Nervenstärke gefragt.

Mit ein Grund für mich, Zweiräder zu bevorzugen. Da hat man zwar nie Vorfahrt, kann aber immer ausweichen. Die Fahrt die Küste hinunter gestaltet sich kurzweilig und angenehm. Wir haben leichten Verkehr, die Sri Lankaner zeigen sich als rücksichtsvoll und unkompliziert auch im Straßenverkehr und der gemietete Roller entpuppt sich als eine müde Gurke, so dass auch von dieser Seite aus plötzliche Adrenalinschübe ausbleiben.

Chula Lanka (Matara)

Matara selbst glänzt durch schmackhafte Rotis und einen hübschen Tempel auf einer vorgelagerten Insel. Wie der Zufall so will ist gerade Full Moon, ein lokaler Feiertag. Im Tempel ist ordentlich etwas los.

Whalewatching oder die Kreuzfahrt des Mageninhaltes

Blau und Buckelwale lieben den Geruch von Erbrochenen. Kaum kämpft sich ein überladenes Touristenschiff durch den Seegang, torkelt gefährlich von Seite zu Seite und legt mit dem Oberdeck bedenklich große Wegstrecke auf ungewohnter Kreisbahn zurück, kaum sind die Brechtüten gefüllt, hängen die Touristen im feinsten Blassgrün über der Rehling, schon zeigen sich die ersten Delfine um alsbald von ihren größeren Cousins, den Buckel und Blauwalen verscheucht zu werden.

Diese umkreisen in Schulen die Touristenschiffe, blasen lustige Fontänen in die Luft und recken ihre Atemlöcher gen Himmel und das köstliche Odem einsaugen zu können.

Hm, wat lecka!, denkt sich da der Wal.

Finwhale (Mirissa)

So, oder so ähnlich könnte zumindest die Interpretation dessen lauten, was wir am letzten Morgen in Mirissa erleben, nachdem wir uns morgens um halb sieben im Tuktuk angähnen.

Zunächst sind wir mittelmäßig entsetzt wie voll unser Boot geladen wird. Es ist wohl die erste Bootsfahrt in meinem Leben, auf der ich nicht nur eine Schwimmweste verlange, sondern sie auch gleich und freiwillig an ziehe.

Irgendwann wird mir klar: Die anderen Schiffe sind noch voller. Ich höre auf mich zu sorgen und lerne <span style=”text-decoration: strike-through;” die Bombe</span> die Fahrt zu lieben.

Whalewatching, Economy Class (Mirissa, Sri Lanka)

Nach gefühlten 18einhalb Stunden im schönsten Wellengang ist die Hälfte der Gäste ausgeschaltet und der generöse Vorrat an Kübelbeuteln ist bedenklich gesunken. Ob nun vom köstlichen Duft angelockt oder einfach nur weil’s ihre Gegend ist: Die ersten Buckelwale zeigen sich. Ich bin beeindruckt. Selbst eingequetscht auf dieser schwimmenden Sardinenbüchse und zwischen all den anderen Idioten: So ein Wal ist faszinierend.

Blue Whale (Mirissa Beach)

Scheinbar gänzlich unbeeindruckt von den Booten tauchen die Tiere auf, blasen ihre Fontänen raus. Die Crew macht ordentlich Party und gibt an wo sie auftauchen, Comming up, comming up now, 9 o’clock, camera ready, alles im Schnellfeuer-Englisch, dass so richtig wohl nur die Sri Lankaner drauf haben.

Auch Blauwale kreuzen unseren Kurs und lassen filmreif die Schwanzflosse sehen.

Eigentlich ist es seltsam: So richtig viel vom Tier sieht man nicht, Buckel, Flosse, vielleicht noch eine Fontäne. Im Bewusstsein, wie viel mehr sich da gerade durch’s Wasser bewegt, bekommt das Gesehene aber eine ganz andere Bedeutung.

Weiter geht’s

Nach insgesamt fünf Tagen Strandleben sind wir uns einig: Schön war es, aber es wird Zeit weiter zu gehen. Die nächste Station wird Kirinda und der Bundula National Park.