Kirinda Beach (Kirinda, Sri Lanka)

Okay, das ist nun wirklich eine andere Welt: Im Rücken eine Buddhistische Pagode, neben mir ein Hinduschrein, hinter mir wird - for good luck - eine Glocke geschlagen. Die Welt riecht gerade nach Lampenöl, Räucherstäbchen und Meersalz und vor mir ist der Indische Ozean damit beschäftigt eine merkwürdige Felsformation Wellenschlag für Wellenschlag abzutragen.

Wir sind in Kirinda gelandet. Es ist großartig!

Nach einem frühen, sehr frühen Vormittag bringen uns dreieinhalb Stunden Busfahrt in den Provinzknotenpunkt Tissamaharama. Der Namen ist selbst für die Locals hier ein ziemlicher Mundvoll, weswegen wir bald merken: Tissa tut es auch.

Die Busfahrt war unterhaltsam. Musste sie auch sein; das eingebaute Soundsystem bedudelte uns nicht nur fortwährend mit Sri Lankanischer Schmachtmusik, es hatte vermutlich auch mehr Leistung als der Motor. Auch wenn dieser fast an die Lautstärke der Anlage ran kam. Spätestens die schiffshornartige Hupe liess die aufgebrachten Götter der Thermodynamik wahrscheinlich vor Zorn erbeben.

Onboard Entertainment

In Tissa springen wir gleich in ein Tuktuk und lassen uns noch dreissig Minuten über ausgebeulte Provinzstraßen chaufieren um schließlich im gepflegten Garten des Temple Flower Guesthouse ausgespuckt zu werden. Wir befinden uns in Kirinda, das ist nicht die Kiwi-Version von Mirinda, sondern eine Stadt an der Südküste von Sri Lanka.

Auf dem Weg erspähte Andi einen großen Buddha. Wirklich groß. Da wir nach Walen und Bollywoodbusfahrt noch nicht so wirklich Erlebnismüde sind, beschließen wir die paar Meter zurück zu wandern und mal zu schauen, was zu Buddhas Füßen so am Start ist.

Big Buddha in Kirinida

Ziemlich viel, stellt sich heraus. Dadurch das gerade Weihnachten, Vollmond und Wochenende ist, also drei Feiertage direkt nebeneinander, hat wohl halb Sri Lanka frei und die Leute stapeln sich fast. Es herrscht so eine Mischung aus Volksfest, Katholischer Prozession (nur ohne Katholiken, Kreuze und dem ganzen anderen Brimbamborium) und noch ein bisschen mehr Volksfest. Wir finden - natürlich - wieder Roti und werden freundlich von einer scheinbar heiligen Kuh gemustert.

Holy Cow!

Die Tempelanlage befindet sich auf einem geschätzt hundert Meter hohen Felsen, der von den Gezeiten, der Errosion und Millionen nackter Füße schön speckig glatt poliert wurde. Es kam wohl in grauer Vorzeit mal eine gute Seele auf die Idee den Fels mit eine paar Stufen zu versehen. Offensichtlich handelt es sich um die asiatische Normstufe der Frühsteinzeit. Will heißen sie ist komplett sicher zu begehen, so lange man nur Füße hat, nicht größer als Schuhgröße 32. Es gibt allerdings auch noch ein Geländer, das auch einen ganz soliden Eindruck macht.

Big Smile (Kirinda,Sri Lanka)

Wir wagen also den Aufstieg und werden von allen Seiten freundlich gemustert und begrüßt. Die Leute sind gut drauf und schicken immer mal wieder jemanden vor, Hello, how are you?, großes Bohei und alle sind happy.

Good Times (Kirinda, Sri Lanka)

Mir fällt auf wie wenig Probleme die Leute hier mit Fotografen haben. Zeigt man ein Bild auf dem Display, verfliegen scheinbar auch die letzten Reste der Skepsis und alle grinsen in die Kamera, schicken die Kinder vor und finden es großartig.

Buddha Looks Up (Kirinda Viharaya, Sei Lanka)

Ich versuche mir die gleiche Situation in einer beliebigen Frankfurter Stadtkirche beim Ostergottesdienst vor zu stellen, Was mache Sie denn da? Lasse Sie die Kinner. Die Leut wolle ihr Ruh’ beim Bete! Irgendwann kommt die Polizei, Wo isser dann de Kinnerschrecker?, ein wütender Mob bildet sich und bewirft mich mit faulem Handkäs. Gedankenexperiment beendet.

Oben angekommen finden wir ziemlich zusammengewürfelt Buddhistische und Hinduistische Infrastruktur. Es gibt Buddha’s Geschichte als plastisches Relief in bunten Farben, neben einem Hinduschrein, in dem man sich einen roten Punkt zwischen die Augen datschen lassen kann.

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Der tamilische Koch unseres Guesthouse wird uns später bestätigen, das sich hier Hindus wie Buddhisten einen heiligen Ort teilen. Noch so ein Erfolgsmodel, das es nie in den Westen geschafft hat.

Wir drehen eine Runde, und beschließen mal zu schauen was der Reiseführer so zu sagen hat. Wie sich raus stellt, nicht viel bis gar nix. Na egal, dann ist das hier eben kein Epizentrum des Erlebnistourismus. Der Ort hat eine bestimmte Magie. Vor uns fallen die Felsen zum Meer hin sanft ab, trotz des Trubels um uns herum liegt Ruhe, Gelöstheit in der Luft, wir sind weit und breit die einzigen offensichtlichen Ausländer und die Sri Lankanische Großfamilie um uns herum versucht so ganz unauffällig uns in die Mitte ihres Familienbild zu bugsieren.

Äh, was? Anscheinend ist es hier ganz großes Kino sich solche Exoten wie uns ins Familienalbum zu kleben. Das Ganze soll uns im Laufe des Tages noch mehrmals passieren und sich auch am nächsten Tag wiederholen. You make #selfie with us?

Der etwas tolpatschige Versuch scheitert ziemlich direkt, alle nehmen es mit Humor und wir machen freiwillig die Models.

Selfie (Kirinda, Sri Lanka)

Nach einer letzten Runde um die Stupa, dem obligatorischen Selfie ohne adoptierten Megaclan, einem weiteren Blick über die wunderbare Aussicht auf die Strandlandschaft unter uns, folgen wir dem Menschenstrom über die sanft geschwungenen Felsen runter zum Meer.

Der Strand wird von Familien und kleineren Gruppen bevölkert. Die Stimmung ist ausgelassen, das Licht ein Traum.

Follow me, Daddy! (Kirinda, Sri Lanka)

In der beginnenden Dämmerung mustern wir noch ein paar Verkaufsstände. Dämmerung dauert hier - bedingt durch die Nähe zum Äquator - in etwa so lange, wie es dauert einen mittelgroßen Lichtschalter umzulegen. Während wir eben noch im sanften Abendlicht uns aufmachten den Felsen zum umrunden um am Tempeleingang vorbei das Guesthouse anzusteuern, ist es hundert Meter später schon Stockdunkel und die ersten Busse scheinen die Heimreise anzutreten.

Last Bus (Kirinda, Sri Lanka)

Zurück am Vorplatz um Tempel erwartet uns ein kleines Lichtermeer. Unter dem obligatorischen Bodhi-Baum ist ein mystisches Symbol aus Öl-Lampen ausgelegt und hüllt die ganze Szene in ein etwas unwirkliches, goldenes Licht. Ich komme mir vor, wie in einem Kitschroman über das britische Empire. Gleich kommt wahrscheinlich ein Monokelträger in Shorts und Tropenhelm um die Ecke spaziert.

Bei aller Kitschromantik genießen wir die Stimmung. Das ein Kurzausflug, ein Schaun-wir-mal-was-da-so-ist, sich als so magisch entpuppt, damit haben wir nicht gerechnet.

Fire under the Bodhi Tree (Kirinda Viharaya, Sri Lanka)

Nach einer letzten Runde über den Tempel, erklimmen wir noch einmal den Fels, genießen den Ausblick zu Buddhas Füßen und wandern schließlich über den stockdunklen Feldweg den plötzlich viel länger scheinenden Weg zurück zu unserem Guesthouse.

Bundala National Park

Wieder so ein früher Morgen, dieses Mal geht es schon um halb sechs los. Na gut, Urlaub ist kein Ponnyhof, nur die Harten kommen in den Garten, originellere Phrase fallen mir um so eine Uhrzeit eben nicht ein.

Sri Lanka ist wohl das asiatische Entwicklungsland mit dem gößten Fokus auf Naturschutz und Bundala ist einer von zwei großen Nationalparks hier in der Ecke. Der andere heisst Yala und dort stapeln sich - ob der Möglichkeit Leoparden zu sehen - die Touris wohl nur so.

Wir entscheiden uns für die ruhigere Version und buchen die Tour nach Bundala. Es soll wohl vor allem Vögel zu sehen geben, es besteht aber auch die Chance das einem wohl auch der eine oder andere Elefant vor die Linse läuft.

Zuerst sehen wir mal ein Krokodil, das aber eilig und leider zu schnell für meine müden Fotofinger ins Wasser verschwindet. Okay, als heilige Kuh will ich hier nicht wiedergeboren werden. Hier ist überall Wasser und später sehen wir noch einige, verdächtig lauernde Schuppeninseln.

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Der Himmel entpuppt sich als ziemlich verhangen, was zumindest mal das Sonnebrandrisiko um mehrere Kategorien auf nur noch “verdammt wahrscheinlich” senkt. Unser Jeep rumpelt durch eine grüne Landschaft, die vor allem durch diverse Seen gekennzeichnet scheint. Man würde gar nicht vermuten, das wir uns eigentlich in der Trockenzone befinden sollten. Direkt nach der Ankunft haben wir schon gehört, das man den Klimawandel dieses Jahr zum ersten mal merken würde: Es regnet mehr.

Eagle (Bundala National Park, Sri Lanka)

Wasservögel zumindest scheinen sich hier zur Zeit wohl zu fühlen und so sehen wir neben Kingfisher auch einen Adler auf Fischfang und diverse Störche oder Vögel, die ich ob ihrer langen Beine zumindest mal so einsortieren würde. Nicht unbedingt mein Fachgebiet, aber man sortiert eben, so gut man kann.

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Auch ein paar Affenbanden schrecken wir auf. Lustiger Zirkus, irgendwo sitzt immer einer, der zum Schmiere stehen verdonnert scheint, während sich der Rest der Bande an Blättern den Bauch voll schlägt.

Plötzlich fängt Schmiere-Schorsch an wie wild an seinem Ast zu rütten, auf und ab zu springen und Zinnober zu veranstalten. Erwarten würde ich nun ein wilde Flucht. Statt dessen skeptische Blicke, mampfende Münder und irgendwann, naja, dann muss man mal wohl, protestierender Abmarsch. Oder auch nicht. Schmiere-Schorsch’s Bemühungen: Für die Katz.

Berufliche Erfüllung stelle ich mir anders vor.

Curious (Bundala National Park, Sri Lanka)

Ich frage mich bei den Biestern wie man ernsthaft Evolution leugnen kann, bisschen klüger sind wir vielleicht schon, iPads haben sie auch nicht, aber das sind ganz eindeutig kleine Quasimenschen.

Die Ähnlichkeit ist frappierend, man erkennt sogar Rollen, die es so auch gibt. Vom dröge am Ast baumelnden Verpeiler, in der Jugend zu viel vom falschen Baum genascht, danach geistig im Zivildienst hängen geblieben, über den halbstarken Schmierenschorsch, bis zur resoluten Mutti die das doppelt so große Männchen mal eben vom Ast schubst.

Lunchbreak (Bundala National Park, Sri Lanka)

So wirklich was großes gesehen haben wir nicht, sind aber trotzdem zufrieden mit dem Trip.

Die Gegend ist richtig schön, die Tierwelt interessant und es ist ruhig.

Man hat wirklich den Eindruck - vielleicht nicht in der Wildnis - aber zumindest mal in etwas zu sein, was heute noch als Natur durchgeht. Während wir also zufrieden vor uns hin sinnieren, hält unser Jeep und wir sehen, etwas großes: Einen jungen Elefantenbullen, der gerade eines der Gewässer nach Futter durchsucht.

Der Regen versaut mir das knackscharfe National Geographic Bild, aber damit können ich, der Elefant und erst recht National Geopgraphic leben.

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Nächste Station: Ella

Morgen geht es für uns weiter, wir wollen nach Ella. Das ist keine alte Bekannte, sondern eine Stadt im Hochland. Wir freuen uns auf kühles Klima, zumindest so mehr oder weniger, neue Landschaften und Menschen.